Sturm im Wasserglas

Es ist ja so: Wenn ich höre, wozu man sich so äußert, dann kommt es mir so vor, als beschwere sich ein nicht unerheblicher Prozentsatz von Personen über ihre Befindlichkeiten von der Art „juckender Ausschlag“, „vom Wind zerstörte Frisur“ oder „abgeplatzter Nagellack“. Jedenfalls habe ich immer mehr das Gefühl, dass diese äußeren Anzeichen von Unwohlsein einen großen Teil der Aufmerksamkeit fressen und in den Menschen die Angst vor einem drohenden Weltuntergang entstehen lassen. Diese Angst bindet sie so sehr, dass sie gar nicht bemerken, dass währenddessen in ihrem Innern das tatsächliche Problem wuchert und langsam aber sicher die Organe angreift und irreparabel schädigt.

Meist geht es bei den Befindlichkeiten um Geld. Um Geld, das andere bekommen. Andere, die das nicht verdienen, natürlich. Jetzt aber scheint es nicht nur um Geld zu gehen, sondern auch um Lebensraum, den sie und wir alle jetzt mit diesen anderen teilen sollen. Das kann ich im Ruhrpott, wo Haufenwohnen nicht selten existiert, noch ein wenig nachvollziehen. Aber in McPomm?

Und während man dort wuterfüllt auf machetenschwingende IS-Kämpfer oder die erste vollverschleierte Frau wartet, schmelzen die Polkappen, leeren sich die Meere, surren die letzten Insekten durch unsere Welt, wird das Trinkwasser an immer mehr Orten sehr, sehr knapp, warten menschgemachte tödliche Viren auf ihren Ausbruch, strahlen Tonnen mit Atommüll vor sich hin, werden Massen von Wäldern aufgefressen, die Reste der irdischen Brennstoffe vergeudet, Flächen versiegelt und verdichtet, und so weiter und so weiter. Höchste Lebensgefahr. Ungemütlich wird es ohnehin werden – auch für uns im beschaulichen Mitteleuropa.

Biotope scheinen für die meisten dieser Menschen Orte zu sein, wo schnuckelige Schmetterlinge flattern und Echse und Kröte sich gute Nacht sagen. Dass dies aber essentielle Grundlagen unserer Existenz und vor allem auch einer erträglichen Existenz sind, die wir im Konsum- und Fortschrittswahn schon zu einem sehr großen Teil geopfert – nein, das ist nicht das richtige Wort – willig hergegeben haben, scheint nicht in das Bewusstsein zu dringen. Vielleicht kann man sich nicht vorstellen, was schon alles vernichtet wurde und welche Konsequenzen dies für unser Leben hat und noch mehr haben wird. Unausweichlich. Das Leben auf dem Mars scheint mir doch keine Alternative zu sein. Es sei denn, es wäre der einzige Ort, an dem der totale Raub der Privatsphäre und der eigenen Entscheidung durch Oligarchen wie Apple, fb, google, Tesla, NSA, die Stadtwerke, Uber und endlos viele andere Daten- und Vermarktungskraken unmöglich ist.

 

 

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