Aus eins mach zwei

Sonntagmorgen – und kein Brot im Haus. Was eigentlich ein bisschen egal ist, weil den ganzen Tag kein Brot gebraucht wird, aber der Montag wird kommen und damit die Brotnot schon zum Frühstück. Also nutze ich die Gelegenheit in Reichweite des bundesstädtischen Bahnhofs einen halben Laib zu erstehen, ungeschnitten. Beziehungsweise nur mit einem einzigen Schnitt zerteilt. Wenige Meter hinter dem Bonner Loch betrete ich den Laden. Der Verkäufer eingeklemmt zwischen überfüllter Teilchentheke und weitestgehend geleertem Brotregal setzt sogleich an meiner Auswahl an und … gibt schnell auf. Legt das geriffelte Messer zur Seite, das Brot kaum angeritzt. Mir kommen Zweifel ob meiner Wahl und ich erkundige mich, ob es so hart sei, dass man es nicht zerschneiden könne …? Nein, nein. Nein, keineswegs! erwidert er ungehalten. Er habe sich verschnitten, dabei einen neuen Laib greifend. Er packt erneut das Messer und beginnt wieder zu säbeln. Ich fragen ihn, ob er das andere Brot nun angeritzt verkaufen wolle? Nein, nein. Nein, keineswegs, grollt er erneut. Es sei so verschnitten, dass es unverkäuflich sei. Wollen Sie es etwa wegwerfen, frage ich ungläubig und mehr im Scherz. Ja, das sei sein Plan. Die Hälften seien so ungleich geraten, das wäre unfair für die folgenden Kunden, und schon fallen die 750 Gramm in einen Eimer unter ihm. Er kassiert mich ab, ich lasse vor lauter Verwirrung das halbe Brot in seiner Tüte auf der Theke liegen und verlasse die Bäckerei. Um erst viele Stunden später zu bemerken, dass ich auch den Montag ohne Brot verbringen muss. Noch immer verwundert.

Trumpf auf der Hand

Er macht Probleme, große Probleme, jeden Tag und jeden Tag mehr, das will ich nicht im Geringsten bestreiten. Aber er ist ein Symptom, nicht die Ursache. Das Symptom wurde von Menschen in einer demokratischen Wahl an seinen Platz gesetzt. Könnte man diese Menschen die Vereinigten Minderheiten nennen? Die Mehrheit bestimmt über das Wohl und Wehe von Minderheiten. Und es gibt eine Menge Minderheiten. Wenn man da nicht zu einer der Gerade-total-In-Gruppen gehört, die momentan von unterschiedlichster Seite protegiert werden, weil sie lange diskriminiert wurden, dann kann man auch gerne mal übersehen oder bewusst außenvorgelassen werden. Und schon brodelt es an anderer Stelle. Irgendwer ist immer unzufrieden.

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Wachsame Augen

Milton Buki, 1909 im heute polnischen Drobin geboren, wurde Mitte Dezember 1942 mit seiner gesamten Familie aus dem Ghetto Mława/Wojewodschaft Warschau nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Der von der SS euphemistisch als Kriegsgefangenenlager bezeichnete Ort hatte seit Mitte 1942 vier Krematorien mit Gaskammern, in denen die in industriellen Maßstäben aufgezogene Vernichtung der Menschen stattfand. Milton Buki wurde als Häftling Nummer 80.312 registriert und dem Birkenauer „Sonderkommando“ zugeteilt, also jener Gruppe von Häftlingen, die die Leichen ermordeter Menschen aus den Gaskammern zu den Verbrennungsöfen oder -gruben bringen und die Opfer verbrennen mussten. Die dem Sonderkommando zugeteilten Häftlinge waren in einem abgesonderten Block in Birkenau und auf den Dachböden von Krematorien untergebracht. Sie galten als ‚Geheimnisträger‘, deren Leben auf Grund ihres Wissens um die Verbrechen verwirkt war. Deshalb ermordete die SS die Mitglieder des Sonderkommandos in unregelmäßigen Zeitabständen. Weiterlesen

Entdeckungen

Manche Dinge sind deutlich komplizierter, als Mann sich das vorstellen kann. Zum Beispiel ein Hauptstadt-Flughafen. Oder ein Konzerthaus am Fluss. Selbst ein winziger Regentropfen ist so komplex, dass wir in absehbarer Zeit nicht erkunden werden, was wirklich darin steckt. Weiterlesen

Wollen wir alle nicht klingen wie …

Bei einer Veranstaltung zum Thema interkulturelle Kompetenzen habe ich einen Mann aus Italien kennen gelernt – darf man noch Italiener sagen? Jedenfalls und seisdrum, der Italiener, seit drei Jahren in Deutschland lebend und arbeitend, machte einige sehr aufschlussreiche Bemerkungen über unsere, nein, die deutsche Sprache bzw. die Art und Weise, wie er unser Sprechverhalten wahrnimmt. Weiterlesen

400 Jahre

image Es war ein erschrockener Moment im Glasmuseum.  Mein erster Gedanke: Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. Aber Geschichte wiederholt sich nicht. Sie gibt allerdings auch nicht auf, uns etwas zu lehren. 

Adress-Format – alles ungültig

Vielleicht ist der eine oder die andere schon fertig mit der Weihnachstpost, aber all jenen, denen es so geht wie mir, bei denen sich die Pakete und Karten noch stapeln, möchte ich folgenden Hinweis nicht vorenthalten – und das ist vielleicht nicht immer einsehbar: Auch bei der Post gibt es Regeln. Weiterlesen

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