Bildung ändert gar nichts

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Lange genug war es zu lesen – aber dadurch wird es nicht wahrer: Bildung scheint auch nicht die Lösung zu sein. Auch wenn unklar ist, was man überhaupt unter Bildung versteht, kann man wohl zweifellos sagen, dass auch diejenigen zweifelhafte Entscheidungen treffen, die viele Jahre Schule und Hochschule erfolgreich hinter sich gebracht haben. Reaktionäre schlagende Verbindung haben schon längst wieder zu Höhenflügen angesetzt. Und viele Menschen, denen man Denkvermögen zutraut, unterstützen Bewegungen, die unsere Sicherheit unterminieren. Aber damit nicht genug. Neben dem Offensichtlichen und von den ’seriösen‘ Medien Beschrienen gibt es auch das, wovor wir fast alle die Augen verschließen: Wir haben bereits unwiederbringlich einen Großteil der Grundlage zerstört, die wir zum Leben benötigen. Obwohl der Mensch nie mehr Wissen zur Verfügung hatte als jetzt, wird das Bild einfach nicht scharf – sieht er den Wald vor lauter Bäumen nicht? Ist das Mosaik zu flimmerig? Sind die einzelnen Steinchen zu vage? Es ist klar: Die Strategie, eine friedlichere Welt zu erschaffen, indem die Massen verführt werden, ihre Blicke nur von den Screens des jeweils aktuellen iPhones zu nehmen um weitere Konsumgüter zu stapeln, hat die Vorratskammer leergeräumt und ziemlich dicke Luft hinterlassen. Zwar hat das Köpfeeinschlagen mit Keulen ein wenig nachgelassen, dabei haben wir uns allerdings den Boden unter den Füßen weggefressen. Dass das so kommen würde, war schnell klar. Und als das erste Knacken im Ast, auf dem wir sitzen, zu hören war, wurde auch dringend vor den Konsequenzen des Ressourcenfraßes gewarnt. Aber die Jahrzehnte, die seither vergangen sind, haben anscheinend nur dazu gedient, dass die so aufgeklärte Menschheit sich dem Kölschen Gesetzt des Et-hät-noch-immer-jot-jejange-Ausrufezeichen hingab. Dafür, dass in Wissenschaftskreisen klar ist, dass wir tatsächlich keinen Tag mehr haben zum Zögern und Zaudern – ist die Politik, die Schwarmintelligenz und die AktivistInnen-Energie doch recht bescheiden. Es war sicher immer eine falsche Annahme, dass man die große Mehrheit der Bevölkerung durch Bildung dazu bringt, vernünftig zu handeln. Eine Umfrage hat letztens ergeben, dass gut 40% der Deutschen der Wissenschaft misstrauen. Und das nicht, weil sie Zweifel an übereifrigen Datenpfuschern oder karrieregeilen Promotions-Plagiateuren haben. Nein, viele von ihnen glauben nicht einmal, dass der Mensch vom Affen abstammt. Wissenschaftsfern. Ein Großteil von ihnen wählt vorzugsweise sozialdemokratisch. Was hat da alle Beschulung gebracht? Platter Egoismus bleibt Trumpf, der stumpfsinnige Konsum lässt zudem die schnelle Befriedigung deutlich wichtiger erscheinen als eine nachhaltige Zukunftsplanung. Und das umso mehr, als die neuen Medien die Reaktionszeit und die Aufmerksamkeitsfrequenz von außen rasant erhöhen. Sich geil fühlen im Hier und Jetzt, das ist es, was wir wollen. Das gemeine Volk will sich sicher nicht mit Problemen belasten. Und alle Schwierigkeiten, die man erwartet, glaubt man durch Mauern, Zäune und gefletschte Zähne verbannen zu können. Dabei kommt die eigentliche Bedrohung von hinten. Von hinten, weil wir uns einfach weggedreht haben, als sie sichtbar wurde. Wir müssten, um einigermaßen heil aus der Katastrophe herauszukommen, sofort handeln. Auf allen möglichen Gebieten. Energie, Verbrauch von Rohstoffen, Konsum, ‚Entsorgung‘ von Überbleibseln, Schutz vor Machtbündelung, Ausgleich bei Besitz und Wohlstand, … das ist nur ein kleiner Teil. Getan wird aber so gut wie nichts, während die falsche Entwicklung ungestört weiterläuft. Manchmal habe ich den Gedanken, dass irgendwer da oben im Hintergrund einen geheimen Plan B verfolgt. Vielleicht denken dass alle. Oder es ist ihnen egal. Oder ihnen fehlt die Vorstellungskraft für das, was in den nächsten Jahrzehnten mit uns und unserer Umwelt passieren wird und schon jetzt passiert. Oder sie finden, das ist ein großes Abenteuer, ein überdimensionales Computerspiel mit Riesenwellen und wandernden Horden. Spannend.

Wir müssen ganz viele Handbremsen ziehen. Jetzt. Und ganz kräftig. Ein klarer Blick in die Tatsachen und niemand kann mehr sagen, das hätte man ja nicht wissen können. Sonst geht definitiv das Licht aus. Auch für uns.

 

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