Aus eins mach zwei

Sonntagmorgen – und kein Brot im Haus. Was eigentlich ein bisschen egal ist, weil den ganzen Tag kein Brot gebraucht wird, aber der Montag wird kommen und damit die Brotnot schon zum Frühstück. Also nutze ich die Gelegenheit in Reichweite des bundesstädtischen Bahnhofs einen halben Laib zu erstehen, ungeschnitten. Beziehungsweise nur mit einem einzigen Schnitt zerteilt. Wenige Meter hinter dem Bonner Loch betrete ich den Laden. Der Verkäufer eingeklemmt zwischen überfüllter Teilchentheke und weitestgehend geleertem Brotregal setzt sogleich an meiner Auswahl an und … gibt schnell auf. Legt das geriffelte Messer zur Seite, das Brot kaum angeritzt. Mir kommen Zweifel ob meiner Wahl und ich erkundige mich, ob es so hart sei, dass man es nicht zerschneiden könne …? Nein, nein. Nein, keineswegs! erwidert er ungehalten. Er habe sich verschnitten, dabei einen neuen Laib greifend. Er packt erneut das Messer und beginnt wieder zu säbeln. Ich fragen ihn, ob er das andere Brot nun angeritzt verkaufen wolle? Nein, nein. Nein, keineswegs, grollt er erneut. Es sei so verschnitten, dass es unverkäuflich sei. Wollen Sie es etwa wegwerfen, frage ich ungläubig und mehr im Scherz. Ja, das sei sein Plan. Die Hälften seien so ungleich geraten, das wäre unfair für die folgenden Kunden, und schon fallen die 750 Gramm in einen Eimer unter ihm. Er kassiert mich ab, ich lasse vor lauter Verwirrung das halbe Brot in seiner Tüte auf der Theke liegen und verlasse die Bäckerei. Um erst viele Stunden später zu bemerken, dass ich auch den Montag ohne Brot verbringen muss. Noch immer verwundert.

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