vor dem knall

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40 Tage oder so fleischloses Fasten haben einen Riesenberg Eier hinterlassen. Die machen vielleicht träge. Das Wetter ist wie es ist. Die irren Herren der Weltpolitik wird es auch kaum berühren.

Trotzdem!

Raus!

Runter vom Sofa!

Zumindest mal zeigen, dass es neben dem iPhone noch Wichtigeres gibt!

Ostermarsch los!

2020 – niemals

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Die Sonne scheint und ich nehme die Einladung an, statt mit Bus und Bahn meine Dinge in der Stadt per Rad zu erledigen. Ob ich das bereue? Ja, irgendwie schon. Es ist erstaunlich, wie sich gefährliche, nervende und unübersichtliche Situationen endlos aneinander reihen. Auf allen durch weiße Steppnaht markierten Radwegen fahren oder stehen Autos, so dass es nicht möglich ist, bis zur roten Ampel vorzufahren. Stattdessen darf ich im Gestank der Abgase hinten warten. Weiterlesen

zwei bis drei

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Für manche sind Schottland oder Wales oder gar Irland ein Teil Englands, auch bei anderen Ländern fällt die Grenzziehung oftmals schwer, zumal wenn sie erst neu entstanden sind oder eigenständig wurden. Aber das mit Amerika, das sollte doch in unserem Kulturkreis recht klar sein. Ich gebe zu, ich wurde einst bei einem Besuch Pensilvanias von einem US-Amerikaner mit deutschen Wurzeln gefragt, ob ich als Deutsche denn schon mal in Europa gewesen sei. Nun gut. Es war ja nicht seine Heimat, über die er sich da verwirrt zeigte. Doch der Gebrauch des Wortes Amerika für die USA, wie er vom neuen, gewählten Präsidenten inflationär eingesetzt wird, lässt mir langsam die Haare zu Berge stehen. Haha. Amerika. Es gibt da ja mindestens mal zwei, Nord- und Süd-, und eigentlich auch noch Mittelamerika und damit noch eine ganze Reihe wunderschöner anderer Länder als die USA. Die Spanier wissen das, sie haben sie ja offiziell entdeckt. Dass Trump diese auch great machen will, ist unwahrscheinlich. Also bitte: Make US great again. Das Wortspiel gibts schließlich kostenlos dazu.

Oder noch besser: Geh Golf spielen. For good.

Neue Welt

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Gestern Nacht geriet ich in die neueste Aufführung des Präsidenten des großartigsten Landes der Welt – wie ja sogar Gott weiß. Er – also, der Präsident – schickte zunächst seine Frau vor die Menge, um ein Gebet aufzusagen und erschien dann endlich eine dreiviertel Stunde später als angekündigt höchstselbst vor der wahrscheinlich größten Menschenmenge, die sich jemals vor einem amerikanischen Präsidenten versammelt hat. Eine Menge von Menschen, deren Jubel für meine Ohren recht bescheiden klang. War da etwas mit dem Ton nicht in Ordnung? Weil meine Aufmerksamkeit nicht sehr fokussiert war, bemerkte ich erst nach einigen Momenten, woran es lag: Viele Frauen hielten pinkfarbene Schilder in die Höh, auf denen sie sich als Frauen outeten, ja sogar als Frauen, die für Trump sind. Als Kunstlehrerin habe ich mich schon immer gefragt, warum die Kinder alle möglichen Dinge in ihren Bildern mit Namen versehen: Tiger, Tür, Tisch, Auto. Jetzt auch hier! Das gleiche Phänomen bei einigen anwesenden Schwarzen, das Label: Blacks for Trump. Hm. Und fast alle, die kein Plakat hochhielten, mit denen sie nebenbei den anderen die Sicht versperrten, reckten Smartphones in die Höhe, auf deren Displays sie starrten, um das Motiv während des Filmens nicht aus den Augen zu verlieren. Keine Hand war frei, um zu applaudieren! Ein paar Zurufe waren zu hören, aber ansonsten ziemliche Stille. Zudem sah so gut wie niemand den an, der hier zur Menge sprach! Denn es blieben nicht viele Augen übrig, die denen des Präsidenten direkt begegnen konnten. Alle starrten auf ihre Telefondisplays. Keine Hände, keine Augen, alle mit anderen Dingen beschäftigt! Ich habe mich gefragt, wie es so ist als Megastar nur noch eine Suppe aus Rückseiten von Mobilgeräten, Plakaten und ein paar Fingern zu sehen. Muss man sich da nicht einsam fühlen? In diesen Gedanken schwelgend bemerkte ich dann endlich, dass ich einer fake-Nachricht aufgesessen war! Das war gar kein echter Auftritt, in einem echten Flugzeughangar, in einem echten Land mit einem echten Präsidenten! Es war Kabarett! Make America’s airports great again! 

Piccolo Mondo Moderno

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„Merkwürdig: in dem Augenblick, da die moderne Technik alle Grenzen und Distanzen annulliert (Flug, Radio, Fernsehen, Ineinander der Wirtschaft), wütet der allerärgste Nationalismus.“
Victor Klemperer, Professor der Romanistik mit jüdischen Vorfahren, am 15.Dezember 1938

Aus eins mach zwei

Sonntagmorgen – und kein Brot im Haus. Was eigentlich ein bisschen egal ist, weil den ganzen Tag kein Brot gebraucht wird, aber der Montag wird kommen und damit die Brotnot schon zum Frühstück. Also nutze ich die Gelegenheit in Reichweite des bundesstädtischen Bahnhofs einen halben Laib zu erstehen, ungeschnitten. Beziehungsweise nur mit einem einzigen Schnitt zerteilt. Wenige Meter hinter dem Bonner Loch betrete ich den Laden. Der Verkäufer eingeklemmt zwischen überfüllter Teilchentheke und weitestgehend geleertem Brotregal setzt sogleich an meiner Auswahl an und … gibt schnell auf. Legt das geriffelte Messer zur Seite, das Brot kaum angeritzt. Mir kommen Zweifel ob meiner Wahl und ich erkundige mich, ob es so hart sei, dass man es nicht zerschneiden könne …? Nein, nein. Nein, keineswegs! erwidert er ungehalten. Er habe sich verschnitten, dabei einen neuen Laib greifend. Er packt erneut das Messer und beginnt wieder zu säbeln. Ich fragen ihn, ob er das andere Brot nun angeritzt verkaufen wolle? Nein, nein. Nein, keineswegs, grollt er erneut. Es sei so verschnitten, dass es unverkäuflich sei. Wollen Sie es etwa wegwerfen, frage ich ungläubig und mehr im Scherz. Ja, das sei sein Plan. Die Hälften seien so ungleich geraten, das wäre unfair für die folgenden Kunden, und schon fallen die 750 Gramm in einen Eimer unter ihm. Er kassiert mich ab, ich lasse vor lauter Verwirrung das halbe Brot in seiner Tüte auf der Theke liegen und verlasse die Bäckerei. Um erst viele Stunden später zu bemerken, dass ich auch den Montag ohne Brot verbringen muss. Noch immer verwundert.

Trumpf auf der Hand

Er macht Probleme, große Probleme, jeden Tag und jeden Tag mehr, das will ich nicht im Geringsten bestreiten. Aber er ist ein Symptom, nicht die Ursache. Das Symptom wurde von Menschen in einer demokratischen Wahl an seinen Platz gesetzt. Könnte man diese Menschen die Vereinigten Minderheiten nennen? Die Mehrheit bestimmt über das Wohl und Wehe von Minderheiten. Und es gibt eine Menge Minderheiten. Wenn man da nicht zu einer der Gerade-total-In-Gruppen gehört, die momentan von unterschiedlichster Seite protegiert werden, weil sie lange diskriminiert wurden, dann kann man auch gerne mal übersehen oder bewusst außenvorgelassen werden. Und schon brodelt es an anderer Stelle. Irgendwer ist immer unzufrieden.

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Wachsame Augen

Milton Buki, 1909 im heute polnischen Drobin geboren, wurde Mitte Dezember 1942 mit seiner gesamten Familie aus dem Ghetto Mława/Wojewodschaft Warschau nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Der von der SS euphemistisch als Kriegsgefangenenlager bezeichnete Ort hatte seit Mitte 1942 vier Krematorien mit Gaskammern, in denen die in industriellen Maßstäben aufgezogene Vernichtung der Menschen stattfand. Milton Buki wurde als Häftling Nummer 80.312 registriert und dem Birkenauer „Sonderkommando“ zugeteilt, also jener Gruppe von Häftlingen, die die Leichen ermordeter Menschen aus den Gaskammern zu den Verbrennungsöfen oder -gruben bringen und die Opfer verbrennen mussten. Die dem Sonderkommando zugeteilten Häftlinge waren in einem abgesonderten Block in Birkenau und auf den Dachböden von Krematorien untergebracht. Sie galten als ‚Geheimnisträger‘, deren Leben auf Grund ihres Wissens um die Verbrechen verwirkt war. Deshalb ermordete die SS die Mitglieder des Sonderkommandos in unregelmäßigen Zeitabständen. Weiterlesen

Entdeckungen

Manche Dinge sind deutlich komplizierter, als Mann sich das vorstellen kann. Zum Beispiel ein Hauptstadt-Flughafen. Oder ein Konzerthaus am Fluss. Selbst ein winziger Regentropfen ist so komplex, dass wir in absehbarer Zeit nicht erkunden werden, was wirklich darin steckt. Weiterlesen