Bildung ändert gar nichts

P1130715

Lange genug war es zu lesen – aber dadurch wird es nicht wahrer: Bildung scheint auch nicht die Lösung zu sein. Auch wenn unklar ist, was man überhaupt unter Bildung versteht, kann man wohl zweifellos sagen, dass auch diejenigen zweifelhafte Entscheidungen treffen, die viele Jahre Schule und Hochschule erfolgreich hinter sich gebracht haben. Reaktionäre schlagende Verbindung haben schon längst wieder zu Höhenflügen angesetzt. Und viele Menschen, denen man Denkvermögen zutraut, unterstützen Bewegungen, die unsere Sicherheit unterminieren. Aber damit nicht genug. Neben dem Offensichtlichen und von den ’seriösen‘ Medien Beschrienen gibt es auch das, wovor wir fast alle die Augen verschließen: Wir haben bereits unwiederbringlich einen Großteil der Grundlage zerstört, die wir zum Leben benötigen. Obwohl der Mensch nie mehr Wissen zur Verfügung hatte als jetzt, wird das Bild einfach nicht scharf – sieht er den Wald vor lauter Bäumen nicht? Ist das Mosaik zu flimmerig? Sind die einzelnen Steinchen zu vage? Es ist klar: Die Strategie, eine friedlichere Welt zu erschaffen, indem die Massen verführt werden, ihre Blicke nur von den Screens des jeweils aktuellen iPhones zu nehmen um weitere Konsumgüter zu stapeln, hat die Vorratskammer leergeräumt und ziemlich dicke Luft hinterlassen. Zwar hat das Köpfeeinschlagen mit Keulen ein wenig nachgelassen, dabei haben wir uns allerdings den Boden unter den Füßen weggefressen. Dass das so kommen würde, war schnell klar. Und als das erste Knacken im Ast, auf dem wir sitzen, zu hören war, wurde auch dringend vor den Konsequenzen des Ressourcenfraßes gewarnt. Aber die Jahrzehnte, die seither vergangen sind, haben anscheinend nur dazu gedient, dass die so aufgeklärte Menschheit sich dem Kölschen Gesetzt des Et-hät-noch-immer-jot-jejange-Ausrufezeichen hingab. Dafür, dass in Wissenschaftskreisen klar ist, dass wir tatsächlich keinen Tag mehr haben zum Zögern und Zaudern – ist die Politik, die Schwarmintelligenz und die AktivistInnen-Energie doch recht bescheiden. Es war sicher immer eine falsche Annahme, dass man die große Mehrheit der Bevölkerung durch Bildung dazu bringt, vernünftig zu handeln. Eine Umfrage hat letztens ergeben, dass gut 40% der Deutschen der Wissenschaft misstrauen. Und das nicht, weil sie Zweifel an übereifrigen Datenpfuschern oder karrieregeilen Promotions-Plagiateuren haben. Nein, viele von ihnen glauben nicht einmal, dass der Mensch vom Affen abstammt. Wissenschaftsfern. Ein Großteil von ihnen wählt vorzugsweise sozialdemokratisch. Was hat da alle Beschulung gebracht? Platter Egoismus bleibt Trumpf, der stumpfsinnige Konsum lässt zudem die schnelle Befriedigung deutlich wichtiger erscheinen als eine nachhaltige Zukunftsplanung. Und das umso mehr, als die neuen Medien die Reaktionszeit und die Aufmerksamkeitsfrequenz von außen rasant erhöhen. Sich geil fühlen im Hier und Jetzt, das ist es, was wir wollen. Das gemeine Volk will sich sicher nicht mit Problemen belasten. Und alle Schwierigkeiten, die man erwartet, glaubt man durch Mauern, Zäune und gefletschte Zähne verbannen zu können. Dabei kommt die eigentliche Bedrohung von hinten. Von hinten, weil wir uns einfach weggedreht haben, als sie sichtbar wurde. Wir müssten, um einigermaßen heil aus der Katastrophe herauszukommen, sofort handeln. Auf allen möglichen Gebieten. Energie, Verbrauch von Rohstoffen, Konsum, ‚Entsorgung‘ von Überbleibseln, Schutz vor Machtbündelung, Ausgleich bei Besitz und Wohlstand, … das ist nur ein kleiner Teil. Getan wird aber so gut wie nichts, während die falsche Entwicklung ungestört weiterläuft. Manchmal habe ich den Gedanken, dass irgendwer da oben im Hintergrund einen geheimen Plan B verfolgt. Vielleicht denken dass alle. Oder es ist ihnen egal. Oder ihnen fehlt die Vorstellungskraft für das, was in den nächsten Jahrzehnten mit uns und unserer Umwelt passieren wird und schon jetzt passiert. Oder sie finden, das ist ein großes Abenteuer, ein überdimensionales Computerspiel mit Riesenwellen und wandernden Horden. Spannend.

Wir müssen ganz viele Handbremsen ziehen. Jetzt. Und ganz kräftig. Ein klarer Blick in die Tatsachen und niemand kann mehr sagen, das hätte man ja nicht wissen können. Sonst geht definitiv das Licht aus. Auch für uns.

 

Klimalügen

Die Schlagzeilen über Trump und Terror legen sich in den letzten Wochen und Monaten über alle anderen Themen. In den Medien wird jede Meldung zu diesen Themen mit einem Schwall kriegerischer und gesellschaftszersetzender Kommentare versehen. Weiterlesen

Deutsche Leidkultur

image

1. Fleisch ist ein Stück Lebenskraft.
2. Lalelu, nur der Mann im Mond schaut zu.
3. Au weia, der Hahn legt keine Eier.
4. Gute Butter aus Deutschland!
5. Willste über’n Rasen laufen, musste dir ’n Grundstück kaufen!
6. Wir machen den Weg frei …!
7. Der April, der April, der macht was er will.
8. Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst.
9. Bauknecht weiß, was Frauen wünschen!
10. Ein schlauer trimmt die Ausdauer.

Korrespondenzfrequenz

image

Ein halbes Jahr vor der Kapitulation Hitlerdeutschlands, also im September 1944, als das Rheinland schon in Schutt und Asche lag, die Bevölkerung neben Durchhalteparolen nicht mehr viel zu fressen bekam, ob des allumfänglichen Mangels alltägliche Wertstoffe auch aus Haushalten herausgesammelt waren, kaum noch etwas so funktionierte, wie man es gewohnt war, zu einem Zeitpunkt also, wo der von vielen lang ersehnte totale Zusammenbruch unmittelbar bevorstand, da kündigte die Reichspost eine einschneidende Maßnahme an: Briefe und Pakete und all die anderen Sendungen werden nur noch an sechs (sic!) Tagen ausgetragen und an diesen sechs Tagen auch nur einmal täglich.

vor dem knall

wlk

40 Tage oder so fleischloses Fasten haben einen Riesenberg Eier hinterlassen. Die machen vielleicht träge. Das Wetter ist wie es ist. Die irren Herren der Weltpolitik wird es auch kaum berühren.

Trotzdem!

Raus!

Runter vom Sofa!

Zumindest mal zeigen, dass es neben dem iPhone noch Wichtigeres gibt!

Ostermarsch los!

2020 – niemals

rd2020

Die Sonne scheint und ich nehme die Einladung an, statt mit Bus und Bahn meine Dinge in der Stadt per Rad zu erledigen. Ob ich das bereue? Ja, irgendwie schon. Es ist erstaunlich, wie sich gefährliche, nervende und unübersichtliche Situationen endlos aneinander reihen. Auf allen durch weiße Steppnaht markierten Radwegen fahren oder stehen Autos, so dass es nicht möglich ist, bis zur roten Ampel vorzufahren. Stattdessen darf ich im Gestank der Abgase hinten warten. Weiterlesen

zwei bis drei

image

Für manche sind Schottland oder Wales oder gar Irland ein Teil Englands, auch bei anderen Ländern fällt die Grenzziehung oftmals schwer, zumal wenn sie erst neu entstanden sind oder eigenständig wurden. Aber das mit Amerika, das sollte doch in unserem Kulturkreis recht klar sein. Ich gebe zu, ich wurde einst bei einem Besuch Pensilvanias von einem US-Amerikaner mit deutschen Wurzeln gefragt, ob ich als Deutsche denn schon mal in Europa gewesen sei. Nun gut. Es war ja nicht seine Heimat, über die er sich da verwirrt zeigte. Doch der Gebrauch des Wortes Amerika für die USA, wie er vom neuen, gewählten Präsidenten inflationär eingesetzt wird, lässt mir langsam die Haare zu Berge stehen. Haha. Amerika. Es gibt da ja mindestens mal zwei, Nord- und Süd-, und eigentlich auch noch Mittelamerika und damit noch eine ganze Reihe wunderschöner anderer Länder als die USA. Die Spanier wissen das, sie haben sie ja offiziell entdeckt. Dass Trump diese auch great machen will, ist unwahrscheinlich. Also bitte: Make US great again. Das Wortspiel gibts schließlich kostenlos dazu.

Oder noch besser: Geh Golf spielen. For good.

Neue Welt

airport

Gestern Nacht geriet ich in die neueste Aufführung des Präsidenten des großartigsten Landes der Welt – wie ja sogar Gott weiß. Er – also, der Präsident – schickte zunächst seine Frau vor die Menge, um ein Gebet aufzusagen und erschien dann endlich eine dreiviertel Stunde später als angekündigt höchstselbst vor der wahrscheinlich größten Menschenmenge, die sich jemals vor einem amerikanischen Präsidenten versammelt hat. Eine Menge von Menschen, deren Jubel für meine Ohren recht bescheiden klang. War da etwas mit dem Ton nicht in Ordnung? Weil meine Aufmerksamkeit nicht sehr fokussiert war, bemerkte ich erst nach einigen Momenten, woran es lag: Viele Frauen hielten pinkfarbene Schilder in die Höh, auf denen sie sich als Frauen outeten, ja sogar als Frauen, die für Trump sind. Als Kunstlehrerin habe ich mich schon immer gefragt, warum die Kinder alle möglichen Dinge in ihren Bildern mit Namen versehen: Tiger, Tür, Tisch, Auto. Jetzt auch hier! Das gleiche Phänomen bei einigen anwesenden Schwarzen, das Label: Blacks for Trump. Hm. Und fast alle, die kein Plakat hochhielten, mit denen sie nebenbei den anderen die Sicht versperrten, reckten Smartphones in die Höhe, auf deren Displays sie starrten, um das Motiv während des Filmens nicht aus den Augen zu verlieren. Keine Hand war frei, um zu applaudieren! Ein paar Zurufe waren zu hören, aber ansonsten ziemliche Stille. Zudem sah so gut wie niemand den an, der hier zur Menge sprach! Denn es blieben nicht viele Augen übrig, die denen des Präsidenten direkt begegnen konnten. Alle starrten auf ihre Telefondisplays. Keine Hände, keine Augen, alle mit anderen Dingen beschäftigt! Ich habe mich gefragt, wie es so ist als Megastar nur noch eine Suppe aus Rückseiten von Mobilgeräten, Plakaten und ein paar Fingern zu sehen. Muss man sich da nicht einsam fühlen? In diesen Gedanken schwelgend bemerkte ich dann endlich, dass ich einer fake-Nachricht aufgesessen war! Das war gar kein echter Auftritt, in einem echten Flugzeughangar, in einem echten Land mit einem echten Präsidenten! Es war Kabarett! Make America’s airports great again! 

Piccolo Mondo Moderno

Klmp1
„Merkwürdig: in dem Augenblick, da die moderne Technik alle Grenzen und Distanzen annulliert (Flug, Radio, Fernsehen, Ineinander der Wirtschaft), wütet der allerärgste Nationalismus.“
Victor Klemperer, Professor der Romanistik mit jüdischen Vorfahren, am 15.Dezember 1938

Aus eins mach zwei

Sonntagmorgen – und kein Brot im Haus. Was eigentlich ein bisschen egal ist, weil den ganzen Tag kein Brot gebraucht wird, aber der Montag wird kommen und damit die Brotnot schon zum Frühstück. Also nutze ich die Gelegenheit in Reichweite des bundesstädtischen Bahnhofs einen halben Laib zu erstehen, ungeschnitten. Beziehungsweise nur mit einem einzigen Schnitt zerteilt. Wenige Meter hinter dem Bonner Loch betrete ich den Laden. Der Verkäufer eingeklemmt zwischen überfüllter Teilchentheke und weitestgehend geleertem Brotregal setzt sogleich an meiner Auswahl an und … gibt schnell auf. Legt das geriffelte Messer zur Seite, das Brot kaum angeritzt. Mir kommen Zweifel ob meiner Wahl und ich erkundige mich, ob es so hart sei, dass man es nicht zerschneiden könne …? Nein, nein. Nein, keineswegs! erwidert er ungehalten. Er habe sich verschnitten, dabei einen neuen Laib greifend. Er packt erneut das Messer und beginnt wieder zu säbeln. Ich fragen ihn, ob er das andere Brot nun angeritzt verkaufen wolle? Nein, nein. Nein, keineswegs, grollt er erneut. Es sei so verschnitten, dass es unverkäuflich sei. Wollen Sie es etwa wegwerfen, frage ich ungläubig und mehr im Scherz. Ja, das sei sein Plan. Die Hälften seien so ungleich geraten, das wäre unfair für die folgenden Kunden, und schon fallen die 750 Gramm in einen Eimer unter ihm. Er kassiert mich ab, ich lasse vor lauter Verwirrung das halbe Brot in seiner Tüte auf der Theke liegen und verlasse die Bäckerei. Um erst viele Stunden später zu bemerken, dass ich auch den Montag ohne Brot verbringen muss. Noch immer verwundert.